Paul Hans Ohmert war als Schüler von Hagemeister und Liebermann zunächst von den Malern der Berliner Secession beeinflusst. Seine frühen Gemälde sind im impressionistischen Stil gemalt, zu dem sich seine beiden Lehrer in ihrem Spätwerk bekannten. Das hier gezeigte Blumenstilleben repräsentiert diesen Stiel.
Eine Porträt-Zeichnung Liebermanns, die Paul Hans Ohmert darstellt, ist in dem Katalog zu einer Ausstellung von Handzeichnungen, Radierungen und Ölgemälden P.H. Ohmert's von 1921 bei der renommierten Berliner Galerie Amsler & Ruthardt abgebildet. Von der Beziehung P.H. Ohmert's zu Max Liebermann spricht nicht nur das Katalog-Vorwort von W. Kurth (der dann 1927 einen Katalog zu Liebermann's 80. Geburtstag herausbrachte), sondern auch die Thematik vieler Zeichnungen und Radierungen in diesem Katalog: Wie (vielleicht auch mit) Liebermann hat P.H. Ohmert in Hamburg und Holland gearbeitet. Manche Sujets P.H. Ohmert's, etwa das impressionistische Aquarell "Netzflicker" erinnern thematisch an berühmte Gemälde Liebermann's aus seiner realistischen, vorimpressionistischen Zeit.
Schon früh hat P.H. Ohmert, möglicherweise über Hagemeister, die Alpen kennen gelernt und sie in großen Ölgemälden dargestellt, die bis nach Amerika verkauft wurden
Das Hauptthema P.H. Ohmert's ist aber seine Heimat, die Mark Brandenburg, der er zahlreiche Skizzen, Radierungen und Gemälde widmete. Zeitweilig war er als Professor im Ausland tätig, hatte seinen Wohnsitz und sein Atelier aber im Südwesten von Berlin, nicht weit von Liebermann's Villa und vom Wohnort Hagemeister's. Nachdem die Nazis ab 1932 Liebermann als Juden öffentlich diffamierten, geriet auch P.H. Ohmert in politische Differenzen zu seiner Umgebung und schließlich ins kulturelle Abseits.
Nach dem Tod seiner Berliner Lehrer zog er sich 1940 nach Oberstdorf im Allgäu zurück, vielleicht auch um Aufträgen der bayerischen Wittelsbacher nachzukommen. Ein Porträt der Prinzessin Bona von Bayern, geb. Herzogin von Genua, hängt im Schloß Turin. P.H. Ohmert soll auch Restaurierungsarbeiten für die Wittelsbacher durchgeführt haben. Er arbeitete nun in der altmeisterlichen Malweise der alten Holländer, in der Porträt-Aufträge verschiedener Oberstdorfer, zum Beispiel das der Dichterin Gertrud von Lefort im Oberstdorfer Heimatmuseum ausgeführt sind. Aber auch Landschaften, wie die hier gezeigte aus seiner kargen märkischen Heimat unter einem hohen bedrohlichen Himmel, sind in diesem Stil gemalt, der nach dem Titel einer Ausstellung von 1931 in Frankfurt/M. als "deutsche Neuromantik" bezeichnet wurde.
Nach dem Krieg, mit der Umwertung aller Werte, fand seine in sich gekehrte, wenig spektakuläre Arbeit keine große Beachtung mehr. Heute tauchen seine Bilder zunehmend auf Auktionen in ganz Deutschland und Amerika auf und finden auch Käufer.

Paul Hans Ohmert und Charlotte Ohmert sind sich nie begegnet und kannten auch die Bilder des jeweils anderen nicht. Aber beide kommen aus Berliner Kunstschulen mit bedeutenden Lehrern. Sie blieben beide der gegenständlichen Malerei treu und bevorzugten ähnliche Themenkreise: Landschaft, Blumenstilleben und Porträt. Und beide wurden in der Kriegszeit an den Nordrand der Alpen verschlagen, die fortan ihre Arbeit mit prägten.

zuletzt aktualisiert: 18.08.2019