Charlotte Ohmert: Anmerkungen

 

* Erste Anregungen, an die sich die Künstlerin erinnerte, waren die ornamentalen Stickereien der Schönwälder Bäuerinnen in ihrem Heimatort. Als Studentin hat sie diese Muster dann für das Buch einer befreundeten Volkskundlerin aufgezeichnet.

* Ihr am meisten geschätzter Lehrer an der "Staatlichen Kunstschule zu Berlin" war in den Fächern Zeichnen und Malen B. Hasler, der für eine spontane unkonventionelle Malweise eintrat und angelernte Geschicklichkeit ebenso ablehnte wie prätentiöse 'Ölschinken'. Er schickte seine Studenten in die bald verbotenen Nolde-Ausstellungen.

* A. Kanoldt, der Direktor der Berliner Kunsthochschule, behielt sich die Beurteilung der Semesterarbeiten vor. Sein Urteil war gefürchtet. Ob man seinen Einfluß in den 'Felsenkastellen' und 'Bergklöstern' von Ch. Ohmert sehen darf, ist fraglich. Sie lernte sein Gesamtwerk erst spät, nach der Freiburger Kanoldt-Ausstellung von 1987, kennen. Der Kubismus blieb ihr fremd.

* Von den großen Meistern beeindruckte unsere Malerin vor allem Cezanne, aber auch Corinth, Macke und Münter.

* Eine Begegnung mit J. Bissier nach dem Krieg bei den baden-württembergischen Kunsthandwerkern am Bodensee hatte weniger die Malerei, als die Handweberei zum Gegenstand. Frau Bissier webte damals nach seinen Entwürfen. Er ermutigte Ch. Ohmert zu ornamentalen Webmustern, die ihr am meisten lagen.

* Während ihrer Zeit als Kunsterzieherin in Reichersbeuern hat Ch. Ohmert Farbkurse bei J. Itten in München und Basel mitgemacht, deren Spur vielleicht in manchen ihrer späteren 'Traumbilder' zu erkennen ist. Auch sie bleiben vorwiegend in den ihr eigenen Blau- und Grüntönen.

* Mit dem Reichersbeurer Maler und Kunsterzieher D. Stöver war an gemeinsame Ausstellungen gedacht worden, die durch Stöver's frühen Tod nicht mehr zustande kamen. Intensiver Gedanken-Austausch und gemeinsames Malen verband unsere Malerin bis zuletzt mit der Studienfreundin und Hasler-Schülerin R. Tolzmann, die in Bremen arbeitete und ausstellte.

* Die bevorzugte Maltechnik von Ch. Ohmert war das Aquarell. Selbst bei Ölbildern läßt sie oft den hellen Malgrund aquarellhaft durchscheinen. Daneben verwendete sie gerne Pastell- und Ölkreiden. Porträt- und Bewegungs-Studien liegen überwiegend als Kohle- oder Rötelzeichnungen vor. Auch in der Graphik ihrer zahlreichen Monotypien betont sie die malerische flächenhafte Komponente durch Modellierung mit Daumen oder Walze. "Blumen-Malerin" wollte sie nicht sein, doch gelangen ihr gerade da einige der schönsten Aquarelle, die bisher noch kaum gezeigt worden sind.

* Die letzte größere Gesamtausstellung von Ch. Ohmert war im Juni (verlängert bis September) 1989 im städtischen Museum von Landsberg a. Lech.
     
 

zuletzt aktualisiert: 20.01.2019